inscape - Zwischen den Zeiten Ausgabe 33

Newsletter Ausgabe 33

Liebe Freund:innen, Interessent:innen, Kund:innen von inscape,
 
als wir im Herbst 2023 das erste inscape Dialogforum veranstalteten, stand das Ganze unter dem Motto „Zorn, Zweifel, Zusammenhalt. Was kommt nach der Zeitenwende?“. Nun, drei Jahre später, zum
zweiten inscape Dialogforum, das am 2. und 3. Oktober 2026 stattfinden wird, fühlt sich die Lage fast noch verzwickter an, die Zweifel bei vielen scheinen noch größer geworden zu sein, die Krisen noch unüberschaubarer. Und doch fragen wir: „Die Sehnsucht nach einer anderen Erzählung – wie entstehen neue Zukünfte?“
 
Denn gerade in der aktuellen Lage braucht es Zuversicht und Hoffnung. Selbst wenn wir noch nicht wissen, wie und wo sich das Neue genau zeigen wird, wir es noch nicht kennen oder sehen können. Im Schwerpunkt stellen wir die Idee hinter dem zweiten inscape Dialogforum genauer vor. Zudem gibt es am Ende des Newsletters wieder die wichtigsten bei uns anstehenden Termine, inklusive des Starts der
inscape Weiterbildung zur/zum psychodynamischen Coach, die dieses Mal am Wochenende vom 14. bis 17. Januar 2027 beginnt.

Eine zu Ende gehende Zeit

Zeitgeschichtliche Entwicklungen und Strömungen nicht nur zu beobachten, sondern sie in unserer Arbeit zu berücksichtigen – das sehen wir als eine Notwendigkeit. Schließlich lassen sich auch Supervision und vor allem Coaching nicht außerhalb des großen gesellschaftlichen Projektes denken, aus dem sie entstanden sind: die Moderne. Diese verkörperte Emanzipation, Fortschritt und die Idee eines besseren Morgens und prägte in ihrer vermeintlichen Unaufhaltsamkeit das Denken und Handeln großer Teile der Welt.

In ihrem Fahrwasser entwickelten sich das Coaching und damit artverwandte Formte, als Instrumente zur Selbstentfaltung und Optimierung. Diese fanden sich später auch auf organisationaler Ebene, etwa im Purpose-Versprechen, also der Suche nach einem gemeinsamen Sinn, wieder.
 
Dass sich die Krise der Moderne auch auf die Beratung auswirkt, ist wenig überraschend. Die aktuellen Zeiten sind geprägt von Kriegen, wirtschaftlichen Schocks, einer Hinwendung zu autoritären Ideen, dem Voranschreiten von KI und den dazugehörenden Big-Tech-Konzernen. Wir leben in einer Zeit, die uns wenig Spielräume lässt. Die Dinge sind seltsam geworden. Zahlen, Fakten und Optimierungsdruck dominieren uns – und zugleich begegnen uns persönliche Erfahrungen und Bilder, die oft die Grenzen des Zumutbaren überschreiten.
 
All das schlägt sich – zumindest indirekt – auch in der Beratung nieder. Denn hier wird im Kleinen verhandelt und aufgefangen, was sich sonst in der Welt zeigt. Bei unserem letzten inscape Dialogforum vor drei Jahren hatten wir uns eingehender mit den damals titelgebenden Worten Zorn, Zweifel und Zusammenhalt beschäftigt. Gerade Zorn und Zweifel sind geblieben. Sie werden weiterhin in Beratung, Supervision und Coachings abgeladen – doch das wirft die Frage auf: Verlieren Zorn und Zweifel ihre Kraft, weil der (implizite) Auftrag oft lautet, schnell wieder irgendeine Form von Zusammenhalt herzustellen? Andererseits lässt sich argumentieren, dass es die beraterischen Räume braucht, um – wenn auch im kleineren Rahmen – Möglichkeiten zur Verhandlung in den alles andere als einfachen Umständen zu finden. Schützen diese Räume also letztlich sogar vor langfristigen Schäden?

(K)ein Weg aus der Krise
 
Ein einfacher Weg aus der Krise tut sich zurzeit nicht auf, so viel ist klar. Allerdings ist das Verharren auch keine Antwort. Denn trotz der Ohnmacht, die oft mitschwingt, bleiben viele Fragen ja weiterhin brandaktuell: Von welchen Werten wollen wir uns leiten lassen? Und wie könnten „gute“ Organisationen für eine „gute“ Gesellschaft aussehen – auch abseits von Profit und Wachstum? An diesen Debatten wollen wir uns beteiligen, in der Hoffnung, dass dabei neue, auch positive Antworten entstehen, für alle und für uns als Berater:innen, Coaches und Supervisor:innen.
 
Aus diesem Impuls heraus ist – kurzfristig – die Idee entstanden, in diesem Jahr wieder ein Dialogforum anzusetzen. Es stand schon bei seiner letzten Ausgabe 2023 in der Tradition der Jahrestagung. Doch wo es früher Vorträge und Arbeitsgruppen gab, steht heute ein anderer Ansatz im Mittelpunkt: Dialoge in unterschiedlichen Formen, getragen und geprägt von Beziehungen und einem Kontakt von Angesicht zu Angesicht, der der fortschreitenden Vereinzelung hoffentlich zumindest ein bisschen etwas entgegensetzen kann. Denn so viel ist klar: Eine Welt – und auch Organisationen – ohne Bindung und ohne Respekt, das wollen wir nicht.
 
Wir spüren die Sehnsucht nach einer neuen Erzählung – gerade um der vermeintlichen Aussichtslosigkeit etwas entgegenzusetzen. Diese Erzählung wollen wir gemeinsam entwickeln und erfahrbar machen. Wie beim letzten Dialogforum setzen wir wieder auf Formate, die zur gemeinsamen Erkundung einladen: zur intellektuellen, körperlichen und kulturell-künstlerischen Annäherung. Deshalb beginnen wir die diesjährige Ausgabe auch mit einem Konzert von TRI:ANGEL – denn Musik beleuchtet die affektiven Seiten des Zusammenlebens auf eine Weise, die andere Zugänge nicht ersetzen können. Es ist eine besondere Aufgabe der Kultur, unserer Gesellschaft eine sinnstiftende Identität und dem Einzelnen Halt zu geben. Bestenfalls öffnet sich auch unser Denken durch die konzeptionelle Improvisation und die Vielfalt stilistischer Kompositionen.
 
Was genau an den beiden Tagen im Oktober herauskommen wird, lässt sich nicht vorhersagen. Und doch vertrauen wir auf das Prinzip der Emergenz – darauf, dass sich Neues zeigen wird, auch wenn wir es noch nicht kennen oder sehen können. Dabei kann uns auch der Zugang zum Unbewussten helfen. Schließlich ist es nicht nur der Ort des Verdrängten. Es ist ebenso ein Reservoir der Kreativität. So wollen wir ein Dialogforum anbieten, in dem wir die psychodynamische Arbeit gemeinsam weiterentwickeln können – im Dialog miteinander, getragen von gegenseitiger Kollegialität und künstlerischer Inspiration.

Anmeldungen zu allen Veranstaltungen können jeweils bei Gabriele Beumer unter Gabriele.Beumer@inscape-international.de vorgenommen werden.


Das ganze Jahresprogramm von inscape finden Sie hier.

Damit verabschieden wir uns für die dreiundreißigste Ausgabe des Newsletters. Die nächste Ausgabe erscheint im September.

Herzliche Grüße,
das inscape-Team

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